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ALLES IM WUNDERLAND

CAMPUSBÜHNE LUZERN 2010

Ins Internet gehen wir, wenn wir alleine sind. In das Wunderland der unbegrenzten Möglichkeiten. Aber wo bin ich, wenn ich im Internet bin? Welche Bedeutung hat das Wort „eigentlich“ im Satz „Warum bist du eigentlich auf Facebook“? Warum ist digital gut? Und wer macht am Ende wieder sauber?

Aufführungen im März 2010 im Südpol Luzern.

BUCH & REGIE: Daniel Korber

MIT: Ada Härtner, Daniela Hasler, Debora Rother, Eveline Zimmermann, Julia Zosso, Kaj Späth, Melina Fäh, Michael Fischer, Nora Lipp, Peter Bär

KOSTÜME: Hannah Schneidt

LICHT: Markus Güdel

BÜHNE: Daniel Korber

Textauszüge

Was uns bleibt? Flüstern. Leise. Und abgelegen. Zu zweit. An den letzten Orten ohne Empfang.

 

 * * * * *

KATHRIN     Jede Friitig am Nomitag mach ech met mine Schüler Läsestond. Denn mönd alli de Chopf uf’s Polt legge, d’Auge schlüüsse ond denn les ech vor useme Buech. Ond amig han ech s’Gfüehl,ech sig die, wo’s am meischte gnüsst, das besennleche Vorläse. Meischtens sind d’Chend nämlech ganz zabbelig. Die hend au alli scho nes Handy – das döfed’s zwar ned i d’Schuel metnäh. Aber mer merkt’s, dass sie eis hend. Mer merkt’s eifach. Ech ha früecher no mis Mami gfragt, öbi darf s’Telefon benötze zum ir Kollegin aalüte. Jedefalls weiss ech au ned, wie dass d’Wält usgsehd, wenn die Generation vo mine Schüeler mol gross esch. E weiss es ned! Aber ech verzelle ehne eifach, e gueti Usbeldig sigi s’A ond s’O für d’Zuekonft.

 

ABIGAIL     Mer hed’s au nüt brocht.

 

TRIX     Ja. Gut. Dann tanzen wir halt eben nicht. Spiesser. Alles Spiesser.

  

* * * * *

 

Quatsch! Es gibt keine Verschwörung. Es  g i b t  k e i n e   V e r s c h w ö r u n g ! Es wäre zu einfach, wenn es eine Verschwörung gäbe. Niemand trifft sich und berät sich und stellt die Weichen für das dritte Jahrtausend!  W i r  sind die Verschwörung, die es nie geben wird!  W i r  beraten uns.  W i r  sind die Geheimtreffen.

 

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Ich bin da voll optimistisch. Ich sag’s euch: Das Internet wird in ein paar Jahrhunderten weiterentwickelt zu einem interplaneterischen Netzwerk. Bestimmt. In der ganzen Galaxie wird es die Menschen miteinander verbinden, von der Erde zum Mars bis zu den Neptunmonden oder ich weiss nicht. 

 

* * * * *

 

010100110101... Sie senden ein SMS an eine Bekannte, googeln ein Wort, kaufen ein Brot und Sie denken, das bedeutet nichts?! Aber es bedeutet was! Es wird gesendet, verabeitet und somit gespeichert. Es ist alles Teil der Rechnung, die immer nur wächst. Und Es versteht uns, Es kennt uns besser als wir selbst. Die Daten sind zu viel, es geht nicht auf. Es kann keinen Gott geben, natürlich nicht. Und der Gott, den es nicht geben kann - wenn er in die Gehirne der Menschen  s ä h e ,  wenn er in alle 6,9 Milliarden Herzen blicken  k ö n n t e ,  er würde  n i c h t s  sehen, was die übergeordnete, postbiologische Gesammtheit des Digitalisierten nicht schon längst durchschaut hätte. E s  ist  u n v o r s t e l l b a r. Ich versuche zu verstehen. Ich durchsuche die Daten nach dem Zusammenhang. Aber ich finde ihn nicht. Ich suche das Schwarmbewusstsein, oder genauer gesagt suche ich nach den Kanälen, über die Es besteht. Ich suche in den Datengebirgen, zwischen den Sinneinheiten, Bit um Bit, da wo die dunkle Materie der digitalen Pararealität liegen sollte. Aber ich finde nichts. Nichts, nichts und wieder nichts, was Sinn ergibt. Aber das Unbeobachtbare – Es beobachtet mich. Was uns bleibt? Flüstern. Leise. Und abgelegen. Zu zweit. An den letzten Orten ohne Empfang.